Über uns

Cultur ‘All asbl

Eine der Aufgaben von Cultur’all ist es, ein Netzwerk aufzubauen, das sich für die Förderung von Kultur und Kunst bei einer benachteiligten Zielgruppe einsetzt. Cultur’all hat mehr als 120 Vereinbarungen mit kulturellen und sozialen Einrichtungen geschlossen.

Wirtschaftlicher
und sozialer Kontext

EIN REICHES,
ABER SEHR UNGLEICHES LUXEMBURG

Ungleichheiten beim Einkommen und bei den Lebensbedingungen
Trotz eines hohen Pro-Kopf-BIP zeigen die Daten (Berichte von STATEC, LISER, Caritas), dass 18,1 % der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze leben (2024).

Die festen Ausgaben (Wohnen, Energie, Transport) verschlingen bis zu 60 % des verfügbaren Einkommens (Zahl von 2023) von Haushalten in prekären Verhältnissen.

Massive Nichtinanspruchnahme von Sozialleistungen
Bis zu 80 % Nichtinanspruchnahme bestimmter Hilfen (Mietzuschuss, Zahlen von Liser 2022 https://www.csl.lu/app/uploads/2024/02/24-02-19-rapport-liser-non-recours_final.pdf), verbunden mit Komplexität, Stigmatisierung und psychischer Erschöpfung.

Jugendliche und Studierende besonders gefährdet
In Luxemburg benötigen Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren 593 EUR bzw. sogar 698 EUR pro Monat, um bei ihren Eltern ein angemessenes Leben zu führen (Ernährung, Kleidung, Mobilität, soziales Leben, Bildung). Dies sind die Ergebnisse des Mindestbudgets, das STATEC im Jahr 2021 für Jugendliche berechnet hat. Für Studierende sind Sozialhilfen oft nicht zugänglich (kein REVIS, unzureichende Stipendien).

Geschwächte psychische Gesundheit und Isolation
Die Berichte von Caritas und STATEC (Studien von 2022 und 2023) betonen den Zusammenhang zwischen Armut, Isolation und psychischer Gesundheit: Prekäre Lebensverhältnisse untergraben das Selbstvertrauen, hemmen die Teilnahme am Gemeinschaftsleben und beeinträchtigen das Wohlbefinden.

Herausforderungen im Zusammenhang mit Multikulturalität und Ausgrenzung
Im Jahr 2024 waren etwa 47,5 % der in Luxemburg lebenden Bevölkerung Ausländer.

  • Hebt das Gefühl der kulturellen Isolation vieler ausländischer Einwohner in prekären Lebensverhältnissen hervor.
  • Unterstreicht den mangelnden Zugang zu interkulturellen Treffpunkten, zur luxemburgischen Kultur und zu einem inklusiven Angebot. (SOPEMI-Bericht 2024)
  • Aussagen von Migranten, die sagen, dass sie sich nicht „berechtigt” fühlen, am lokalen Kulturleben teilzunehmen, aus Angst, nichts zu verstehen und „nicht dazuzugehören”. (Caritas Forum 2023)
  • Trotz eines hohen kulturellen Angebots ist die Teilnahme ausländischer Einwohner an subventionierten Aktivitäten nach wie vor sehr gering, insbesondere in den Bereichen darstellende Kunst, Museen und Mediatheken (Bericht „Kulturelles Leben in Luxemburg” (2025)

KULTURELLE HERAUSFORDERUNGEN UND DIE ROLLE VON CULTUR’ALL

Kultur ist ein wichtiger Hebel für den sozialen Zusammenhalt und die psychische Gesundheit. Der Kulturpass ist eine Antwort auf die doppelte soziale und kulturelle Kluft, und Cultur’all verkörpert eine wichtige Schnittstelle zwischen Sozial- und Kulturpolitik.

STRATEGISCHE VERBINDUNGEN ZU CULTUR’ALL UND DEM KULTURPASS

Der Kulturpass = ein einzigartiges Instrument, das auf die doppelte Kluft reagiert:

  • Soziale Kluft (wirtschaftliche Unsicherheit und administrative Hindernisse).
  • Kulturelle Kluft (ungleicher Zugang zu Orten und Teilhabe).

Cultur’all, Vermittler und Bindeglied. Wir spielen bereits eine Schlüsselrolle als „Brücke” zwischen der Sozialpolitik (FNS, Caritas, Sozialämter) und dem Kultursektor (Theater, Museen, Festivals). Eine sektorübergreifende Verankerung. Die Daten zeigen, wie dringend notwendig es ist, die Politikbereiche (Beschäftigung, Gesundheit, Bildung, Kultur) zu entflechten.

Kulturelle Teilhabe ist nicht nur eine Frage des künstlerischen Bereichs: Sie ist ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden, die öffentliche Gesundheit, den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie. Sie stärkt soziale Bindungen, fördert die Kreativität, bekämpft Isolation und bietet oft marginalisierten Menschen einen Raum, sich auszudrücken. Sie fördert auch das interkulturelle Verständnis, das in einer pluralistischen Gesellschaft wie der luxemburgischen von wesentlicher Bedeutung ist.

In einem wohlhabenden Land wie Luxemburg darf nicht vergessen werden, dass fast jeder fünfte Einwohner unterhalb der Armutsgrenze lebt. Diese manchmal unsichtbare Prekarität führt auch zu einer Ausgrenzung aus dem kulturellen Leben. Der Kulturpass ermöglicht es, diese Ungleichheit konkret zu bekämpfen, indem er den am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen effektiven Zugang zur Kultur garantiert.

In dieser Hinsicht geht das Projekt Kulturpass über die Zuständigkeiten des Kulturministeriums hinaus. Es ist Teil einer interinstitutionellen Zusammenarbeit und könnte sinnvollerweise folgende Stellen mobilisieren:

  • das Gesundheitsministerium aufgrund seiner Rolle in der Prävention im Bereich der psychischen Gesundheit und der Förderung des Wohlbefindens;
  • das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend, um die Beteiligung junger Menschen und die Erziehung zur kulturellen Bürgerschaft zu stärken;
  • das Ministerium für Familie, Solidarität, Zusammenleben und Aufnahme im Zusammenhang mit Sozialpolitik und Integration;
  • das Ministerium für Wohnungswesen, um benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die oft von traditionellen Kulturangeboten ausgeschlossen sind;
  • das Ministerium für Sport im Rahmen der Entwicklung des künftigen Sportpasses.

Dieses Projekt steht somit an der Schnittstelle verschiedener politischer Bereiche und ist ein wirksames Instrument für Inklusion, Chancengleichheit und nachhaltige menschliche Entwicklung. Es richtet sich an Ministerien und lokale Behörden, die zu einer gerechteren, solidarischeren und vielfältigeren Gesellschaft beitragen möchten. Der Kulturpass ist nicht nur ein Kulturprojekt, sondern ein gesellschaftliches Projekt, das eine bereichsübergreifende, strategische und nachhaltige Unterstützung verdient.

Team

Luis Santiago
Generalkoordinator und sozial-kultureller Mediator
Luis Santiago
Marianne David
Generalkoordinatorin zuständig für Kommunikation, und Finanzen
Marianne David
Aida Ramdedovic
Verwaltungsangestellte
Aida Ramdedovic

Mitglieder
des Verwaltungsrats

Anne Reding, Vorsitzende
David Fraselle, Vizepräsident
Elvira Mittheis, Schatzmeisterin
Nicolas van de Walle, Sekretär
Josy Holcher, Verwaltungsratsmitglied
Lena Batal, Verwaltungsratsmitglied
Nadine Erpelding, Verwaltungsratsmitglied (Kulturministerium)
Pablo Chimienti, Verwaltungsratsmitglied
Susana Rodrigues, Verwaltungsratsmitglied
Sylvie Martin, Verwaltungsratsmitglied
Vanessa Cum, Verwaltungsratsmitglied

Geschichte

Die Idee zum Kulturpass entstand im Mai 2007 während eines Seminars, das vom Institut für Sozialbildung (IFS) in Zusammenarbeit mit Vereinen wie ATD Quart Monde, CLAE, Femmes en détresse, Stëmm vun der Strooss und SeSoPi organisiert wurde. Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, tauschten dort ihre Erfahrungen aus und gaben denjenigen eine Stimme, die allzu oft ausgegrenzt werden.

Aus diesem Austausch entstand eine Arbeitsgruppe, die mit Hilfe von Forum Culture(s) einen gemeinsamen Text verfasste – „Diversité et droits culturels” (Vielfalt und kulturelle Rechte) – und die Gründung einer gemeinnützigen Vereinigung vorschlug, die sich an den Modellen Belgiens (Artikel 27) und Österreichs (Hunger auf Kunst und Kultur) orientierte.

Im Dezember 2008 wurde Cultur’all a.s.b.l. gegründet, und im Januar 2010 wurde der Kulturpass ins Leben gerufen: ein einfaches und wirkungsvolles Instrument, um allen Menschen in Luxemburg in Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen einen gleichberechtigten Zugang zur Kultur zu ermöglichen.

Zwischen 2014 und 2019 wurden 6.500 Kulturpässe ausgestellt, die mehr als 19.000 kulturelle Ausflüge zu einem symbolischen Preis ermöglichten – ein Pass für Kultur, der seine integrative Kraft unter Beweis gestellt hat! Der Kulturentwicklungsplan 2018-2028 des Kulturministeriums erkennt diesen Ansatz heute voll und ganz an und fördert die weitere Entwicklung des Kulturpasses.

Angesichts der Pandemie hat Cultur’all die Sichtbarkeit des Kulturpasses erhöht (soziale Netzwerke, Newsletter) und seine Digitalisierung fortgesetzt, während gleichzeitig die kulturellen Partnerschaften gefestigt wurden, um die Kontinuität des Projekts zu gewährleisten.

Diese Jahre waren geprägt von einer starken Ausweitung der Vergabekriterien für den Kulturpass und einem deutlichen Anstieg der Zahl der Begünstigten und Partner. Erste konkrete Überlegungen zu einem Sportpass wurden ebenfalls angestellt.

Der Kulturpass hat seine Rolle als zentrales Instrument für den Zugang zur Kultur mit 5.542 ausgestellten Pässen und einem Rekordverkauf von 9.823 Eintrittskarten bei 110 Kulturpartnern bestätigt. Der Verein hat ein Netzwerk von 50 Sozialpartnern aufgebaut und seine Zusammenarbeit intensiviert, um ein immer breiteres Publikum zu erreichen und so kulturelle Ungleichheiten abzubauen.

Im Jahr 2024 wurden 5.513 Kulturpässe verteilt, was die stabile Nachfrage und das Vertrauen des Publikums belegt. Mit 11.477 verkauften Tickets, 115 Kulturpartnern und 55 Sozialpartnern bestätigt das Projekt seine Wirkung und beginnt mit einem Rebranding sowie einer vollständigen Digitalisierung. Diese Initiativen ebnen den Weg für die Entwicklung eines zukünftigen Sportpasses, um den Zugang zu Kultur und Sport weiter zu erweitern.

Der Kulturpass feiert sein 15-jähriges Bestehen mit einem kompletten Rebranding und der Erweiterung des Teams auf vier Personen. Dank der erneuten Unterstützung und der Verdopplung des Budgets durch das Kulturministerium (321.000 €) erhält das Projekt neuen Schwung und wird als wesentlich für den gleichberechtigten Zugang zur Kultur anerkannt.

Parallel dazu schreiten die Überlegungen zur Erweiterung auf den Sportpass voran: Eine Debatte in der Abgeordnetenkammer mit Mandy Minella und die Prüfung der Machbarkeit durch Sportminister Mischo zeugen von einer starken Dynamik, um kulturelle und sportliche Inklusion für alle zu verwirklichen.

Der Kulturpass ist nicht nur ein Kulturprojekt, sondern ein gesellschaftliches Projekt, das eine lebendige und für alle zugängliche Kultur fördert.

Unsere Aufgaben bei Cultur’all

Cultur’all asbl – unser Name sagt alles:
Kunst und Kultur sollten für alle zugänglich sein!
Cultur’all engagiert sich an mehreren Fronten, um einen gerechten Zugang zur Kultur zu gewährleisten.

Sensibilisierung der Gesellschaft und der Entscheidungsträger für Artikel 27.1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der das Recht auf freie Teilnahme am kulturellen Leben festschreibt.

Erleichterung des Zugangs zu Kultur für Menschen, die davon ausgeschlossen sind, insbesondere über den Kulturpass.

Die aktive Teilnahme von Menschen in prekären Lebenssituationen fördern, nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Akteure des kulturellen Lebens.

Die kulturelle Vielfalt fördern und den Dialog zwischen den Kulturen und sozialen Milieus begünstigen.

Wir bei Cultur’all sind davon überzeugt, dass Kultur ein Recht und ein lebenswichtiges Bedürfnis für jeden Menschen ist. Niemand darf davon ausgeschlossen werden. Denn Kultur ist auch eine Kraft, um Armut zu bekämpfen, Zusammenhalt zu schaffen und jede Identität wertzuschätzen.

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